Drei Tage Jubel, Trubel, Sonnenschein
(eso)Normalerweise gilt: Vorsicht mit Superlativen. Im Falle des 650-jährigen Jubiläums von Markneukirchen jedoch muss man damit wahrlich nicht geizen. Die Musikstadt erlebte das größte Fest ihrer Geschichte, glich am letzten Wochenende einem Bienenschwarm. Rund 18.000 Besucher aus Nah und Fern kamen zur Geburtstagsfeier, die am Sonntag mit dem 14. Tag der Vogtländer verknüpft war und in ihm ihren begeisternden Höhepunkt fand. Was wird bleiben von diesem Freudenfest, was wird eingehen in die Annalen der Stadt?
In erster Linie, dass sich Markneukirchen den Gästen nicht nur als Wiege und eine Hochburg des Musikinstrumentenbaus präsentierte, sondern auch als ein Ort, in dem Sport, ein reges Vereinsleben und Kinderlachen zum Alltag gehören. Markneukirchen – ein vorbildlicher Gastgeber. Das alles widerspiegelte sich in einem Festprogramm, das nicht nur für jeden Geschmack etwas bot, sondern auch für jeden eine Qual der Wahl bedeutete. Alle Vorführungen, Präsentationen und Konzerte auf den Bühnen am Roten Markt, in der Breiten Straße und auf dem Oberen Markt zu erleben – das war schier unmöglich, weil man sich schließlich nicht mehrteilen konnte. Allen, die – von den Knirpsen aus dem Kindergarten bis hin zu den Mitgliedern des Heimatvereins – unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark!“ mit zum der unvergesslichen Geburtstagsfeier beigetragen haben, muss man ein großes Dankeschön aussprechen. Beim Organisationsteam um Gudrun Schmidt lässt sich sicher bei Bedarf ein Tipp holen, wie sie es dank des Liebeskusses mit dem Wettergott geschafft haben, dass er die Sonne Sonderschichten schieben ließ.
Einer der Höhepunkte des Festprogramms wurde ohne Zweifel von Schülern des musischen Profils am Gymnasium Markneukirchen geboten. Ihre erste öffentliche Aufführung des neuen Musical-Projektes „Den Sternen entgegen“ am Freitagabend – noch vor der eigentlichen Premiere am 17. Oktober im König-Albert-Theater Bad Elster – war ein Kracher, denn er lockte mehr als 2.000 Besucher an und begeisterte sie optisch, tänzerisch und musikalisch bis in die Haarspitzen. Mit ihren Evergreens aus weltbekannten Musicals wie „Chicago“, „Drei Musketiere“, „Grease“, „Phantom der Oper“, „Mozart!“, „König der Löwen“, „Cabaret“ oder auch Tanz der Vampire“ wurden die Schüler den Erwartungen des Publikums, die in den vergangenen Jahren hochgeschraubt wurden, vollends gerecht. Es ist schon erstaunlich, wie viel künstlerisches Potential und Talente schlummern, wie sie im Miteinander herausgekitzelt werden und sich dank Fleiß und Ideen Jahr für Jahr entfalten.
Ebenso begeisternd war die „Queen Classic Night“ am Samstag auf der Bühne am Roten Markt. Nicht nur die eingefleischten Fans der Original-Band auf ihre Kosten, sondern die Freunde anspruchsvoller Rockmusik wurden auch nicht enttäuscht dank der Great Pretender Band und der Queen Singers im Hintergrund. Und der besondere Clou: auf der Bühne saßen auch 70 Musiker der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach. Gegensätze ziehen sich also wirklich an. Wie sang doch gleich Udo Lindenberg einst über Erich Honecker? „Tief in dir drin steckt doch bestimmt auch ein Rocker“. Normalerweise ein seriöser Mann mit Taktstock, explodierte der Dirigent Stefan Fraas bei diesem Konzert, gaben er und seine Musiker ihrem Rock-Affen reichlich Zucker und hatten selbst ihren Heidenspaß. Dieses Feuer übertrug sich auch aufs Publikum. Mit bombastischem Getöse, schneidenden Gitarrenriffs und Violinen, dazu einer spektakulären Lichtshow, ging es gleich von der ersten Minute an optisch und akustisch voll zur Sache. Bemerkenswert die Auftritte von Stephan Eberhardt, der in die Rolle des Freddy Mercury schlüpfte: In knallengen Hosen und grellen Farben rannte und kugelte er über die Bühne. Natürlich durfte auch das aufreizende Powackeln des Originals nicht fehlen. Bei den Queen-Hits wie „One vision“, „I want to break free“, „Under pressure“, „It’s a kind of magic“, „Another one bites the dust“, „Bohemian Rhapsody“, „We are the champions”, „I want it all“, „Radio gaga” riss es das Publikum von den Sitzen. Höhepunkt des Abends: das Duett „Barcelona“ von Stephan „Freddy“ Eberhardt und der Dresdener Sopranistin Gabriele Rösel, das Mercury und die Opern-Diva Montserrat Caballe zu den Olympischen Spielen 1992 sangen. Das wie auch der ganze Abend ging unter die Haut. Und das Festwochenende erst recht. |